Chirotherapie-Informationen


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Einführung in die Chirotherapie

Von unseren Redaktionsmitgliedern Dr. med. Emmerich Verderber, Mareli Verderber und Michael Verderber, Stuttgart

Geschichtliches

Die Chirotherapie (von griechisch „Chiros“ für „Hand“) ist eine uralte Behandlungsmethode. Bereits vor den alten Griechen hatten die Inder erkannt, daß man mit Handgriffen wirbelsäulenbedingte Krankheiten behandeln kann.

Schon Hippokrates sagte: „Die Wirbelsäule trägt Ursache und Wirkung in Eins“, und beschrieb, daß man Wirbel zurechtrücken müsse. Seit dem Mittelalter gibt es Aufzeichnungen über manuelle Behandlung der Wirbelsäule. Im späteren Mittelalter ging diese Behandlungsmethode auf Laienbehandler über und wurde erst im 19. Jahrhundert über Amerika und die Schweiz wieder salonfähig. Man nahm lange an, daß Verrenkungen oder Einklemmungen von Nerven eine Rolle spielen würden, weswegen diese Ausdrücke auch heute noch gebräuchlich sind, obwohl sie nicht zutreffen.

Die Chirotherapie, wie wir sie heute kennen, wurde von Dr. Karl Sell und anderen in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg aus Elementen der Osteopathie und der Chiropraktik entwickelt und seitdem ständig verbessert.

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Was ist Chirotherapie?

Die Chirotherapie ist nichts anderes als die Behandlung von rückbildungsfähigen Funktionsstörungen der Wirbelsäule und der Gelenke durch Handgriffe – also eine echte Behandlung in engeren Sinn. Die Diagnose erfolgt durch genaue Untersuchung von Hand, wobei der erfahrene Chirotherapeut sofort die Problemzonen ertastet.

Ein Chirotherapeut ist ein Arzt – gleich welcher Fachrichtung –, der sich diese Zusatzbezeichnung durch entsprechende Kurse und Prüfungen erworben hat.

Nach unseren heutigen Erkenntnissen ist die Ursache eine Reflexstörung, die von den den sogenannten Nocizeptoren – Empfängerorganen, die vor Schaden schützen – der Wirbelsäule, meist der kleinen Wirbelgelenke, ausgeht. Ein solches Geschehen bezeichnen wir als Blockierung.

Eine Blockierung führt nach einiger Zeit zu Schmerzen und vielfältigen Beschwerden, die oft gar nicht mit der Wirbelsäule in Verbindung gebracht werden.

Blockierungen gibt es nicht nur bei der Wirbelsäule, sondern auch an den Gelenken. Auch diese Blockierungen können Beschwerden hervorrufen, die man nicht unbedingt vermuten würde.

Sehr oft bestehen Blockierungen schon sehr lange, manchmal sogar seit der frühesten Kindheit. Eine länger bestehende Blockierung zieht in der Regel weitere Blockierungen nach sich, so daß schließlich an der Wirbelsäule und an den Gelenken zahlreiche Blockierungen vorhanden sein können. Daher muß die Chirotherapie als Ganzbehandlung durchgeführt und der Patient von oben bis unten untersucht werden.

Da Blockierungen nur durch chirotherapeutische Untersuchungsmethoden zu erkennen sind, ergeben sich daraus leider viele Fehldiagnosen und für sehr viele Patienten lange Leidenswege. Die Chirotherapie ist eine bewährte Methode, um Blockierungen zu lösen. Dazu werden bestimmte Handgriffe angewandt. Allerdings hängt der Erfolg auch sehr vom Können des Chirotherapeuten ab.

Auch jahrelang bestehende Beschwerden können nach Lösen der meist zahlreichen Blockierungen verschwinden. Dies kann schon nach der ersten Behandlung sein; es kann aber auch sein, daß – vor allem bei den lange bestehenden Blockierungen – mehrere Behandlungen nötig sind. Die Ursachen für die Blockierungen sind vielfältig; beispielhaft erwähnt seien Zwangshaltungen und unkontrollierte Bewegungen.

Leider bestehen immer noch große Vorurteile und falsche Vorstellungen über die Chirotherapie. Dabei wird übersehen, daß sich die moderne Chirotherapie inzwischen wissenschaftlich etabliert und fundiert ist und sich in Theorie und Praxis erheblich von den früher geübten Methoden unterscheidet. Sie wurde in den letzten Jahrzehnten noch erheblich verbessert und gehört heute zu den schonendsten medizinischen Behandlungsmethoden.

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Anwendungsgebiete

Die Chirotherapie ist keine Allheilmethode, aber es gibt sehr viele Krankheitsbilder, die von der Wirbelsäule kommen, und an die man nicht denkt. Beispielhaft ist hier eine Reihe von Krankheitsmerkmalen (Symptomen) zusammengestellt, die von Blockierungen der Wirbelsäule ausgehen können.

Ausgehend von der Halswirbelsäule können folgende Beschwerden vorkommen:

Von Seiten der Brustwirbelsäule:

Ausgehend von der Lendenwirbelsäule und dem Kreuzbein-Darmbein-Gelenk:

Es ist so, daß meistens Blockierungen in allen Abschnitten vorliegen, wobei die Ursache der Beschwerden in einem ganz anderen Abschnitt liegen kann, als man denkt. Auch bei nachgewiesenen Bandscheibenvorfällen kann die Chirotherapie manchmal hilfreich sein. In zahlreichen Fällen war nicht etwa ein durch Computertomogramm nachgewiesener Bandscheibenvorfall die Ursache der Beschwerden, sondern Blockierungen an anderer Stelle.

Blockierungen können beispielsweise durch einseitige Belastungen, Fehlhaltungen, Stürze, und innere Erkrankungen verursacht werden. Sie können aber auch nach einer Narkose auftreten.

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Methoden

Wie stellt der Chirotherapeut eine Blockierung der Wirbelsäule fest?

Wichtige Hinweise ergeben sich bereits bei der Aufnahme der Krankengeschichte (Anamnese). Die Krankengeschichte kann bereits auf eine Blockierung hinweisen. Wichtig sind Angaben über Schmerzen, die wechselnd in Verbindung mit bestimmten Bewegungen auftreten. Die Schmerzen nehmen bei aktiver Tätigkeit eher ab, sind oft völlig verschwunden, besonders während des Tages.

Daran schließt sich eine allgemeine Untersuchung der Wirbelsäule, einschließlich der Gelenke und Reflexe an.

Ganz wesentlich ist die Prüfung des Gelenkspiels, die bereits wichtige Hinweise auf eine Blockierung gibt. Ein normales Gelenkspiel hat einen elastischen Anschlag, während bei einer Blockierung die passiven Bewegung abrupt endet, so als ob man gegen eine Wand stößt. Gleichzeitig stellt man meistens eine verminderte Beweglichkeit fest.

Die Feststellung einer Irritationszone. Man tastet im Bereich der Blockierung eine Verhärtung, welche durch Anspannung der tiefen Rückenmuskulatur entsteht. Die Größe ist verschieden. An der Halswirbelsäule ist sie meist erbsengroß bis bohnengroß. An der Lendenwirbelsäule kann man oft bis eigroße, walzenförmige Blockierungen tasten. Diese Blockierungen sind schmerzhaft und nehmen bei bestimmten Bewegungen zu oder ab. Und damit hat der Chirotherapeut bereits die blockierte (gesperrte) Richtung festgestellt.

Es ist wichtig, daß zumindest eine freie Richtung besteht. Ohne freie Richtung ist die Chirotherapie nicht anwendbar.

Wie löst der Chirotherapeut eine Blockierung der Wirbelsäule?

Die eigentliche Behandlung, die sogenannte Manipulation, gliedert sich in mehrere Abschnitte.

Oft ist der Impuls überhaupt nicht erforderlich, weil sich viele Blockierungen bereits bei der Spannung oder beim Probezug lösen.

Der Erfolg der Behandlung kann sofort kontrolliert werden, indem der Chirotherapeut feststellt, daß die Irritationszone (also die oben beschriebene Verhärtung der Muskulatur) verschwunden ist und der Patient meist sofort eine Erleichterung verspürt. Zur Entspannung gesellt sich häufig auch Müdigkeit. Nach einigen Stunden kann eine Schmerzreaktion – wie ein starker Muskelkater – auftreten, die zwei bis drei Tage anhalten kann.

Weitere Behandlungsmethoden

Neben der oben beschriebenen Manipulation wird häufig die Mobilisation angewandt, etwa bei Blockierungen an den Knien und den Füßen. Bei der Mobilisation wird schubweise und rhythmisch auf ein blockiertes Gelenk in Längs- oder Querrichtung eingewirkt. Diese Schübe oder Züge sind weich und langsam und können sich allmählich verstärken, während das Gelenk immer beweglicher wird. Auch Blockierungen des Kiefergelenks und sogar der Wachstumsfugen am Schädel (Schädelnähte) werden durch Mobilisation gelöst.

Häufig ist die Muskulatur durch eine lang anhaltende Blockierung bereits so verspannt, daß sie eine erneute Blockierung auslösen kann. Mit besonderen Muskelentspannungstechniken kann der Chirotherapeut die Muskulatur wieder lockern, indem er beispielsweise für etwa zwei Minuten die angespannte Muskulatur entlastet, bis sich die Verspannung von selbst löst.

Wenn die Muskulatur verspannt ist, kann man häufig besonders schmerzhafte und druckempfindliche Punkte ertasten, die den Schmerz auch noch in andere Bereiche ausstrahlen lassen. Solche Punkte nennt man Auslöserpunkte oder Triggerpunkte. Durch Auslöserpunktbehandlung (Triggerpunktbehandlung) – wie etwa eine Massage dieser Punkte – kann der Chirotherapeut diese Punkte wieder beruhigen und so ebenfalls die Muskulatur entspannen und den Schmerz verschwinden lassen. Eine weitere Möglichkeit ist die Infiltration dieser Punkte mit einem Lokalanästhetikum, gegebenenfalls unter Zusatz eines meist homöopathischen Präparates. Dies ist einer der wenigen Fälle, in denen die Chirotherapie Medikamente einsetzt.

Massagen gehören noch zur klassischen Chirotherapie, die Akupunktur aber schon nicht mehr. Aber natürlich gibt es genügend Fälle, wo sie sinnvoll zusammen mit der Chirotherapie verwendet werden kann. Zum Beispiel lassen sich Auslöserpunkte auch durch Akupunktur behandeln, und sowohl die Chirotherapie als auch die Akupunktur gehen davon aus, daß häufig die Ursachen der Beschwerden an einer ganz anderen Stelle zu suchen sind.

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Ergänzende Maßnahmen

Erst nach Beseitigung der Blockierungen ist eine Nachbehandlung wie zum Beispiel Krankengymnastik sinnvoll, besonders um Rückfälle zu vermeiden.

Ganz wichtig ist jedoch die aktive sportliche Betätigung wie Schwimmen, Gehen, richtiges Radfahren und Entspannungsübungen. Der regelmäßige Besuch eines verantwortlich geführten Fitneßstudios führt ebenfalls einem guten Muskelaufbau. Denn nur eine kräftige Muskulatur kann die Wirbelsäule halten, stützen und entlasten und damit zu einem erheblich gesteigerten Wohlgefühl und einem dauerhaften Behandlungserfolg beitragen.

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