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Fersenprobleme – Ursachen und Behandlung

Von unseren Redaktionsmitgliedern Dr. med. Emmerich Verderber und Michael Verderber, Stuttgart

Das sogenannte Fersenbeinsystem setzt sich aus dem Fersenbein, der Achillessehne und den übrigen Anhangsgebilden des Fersenbeins zusammen.

Der Fuß hat drei Hauptbelastungszonen, nämlich die Köpfchen des 1. und 5. Mittelfußknochens und den Fersenbeinhöcker.

Da sich der Fuß nach vorn zu strahlenförmig verbreitert, schieben sich die Strahlen und damit auch die Belastung, über dem Fersenbeinhöcker übereinander. So erklärt sich die besondere Anfälligkeit dieser Region nicht nur für lokale, sondern auch für entfernt liegende Störungen.

Deswegen sind Fersenschmerzen auch überaus häufig und langwierig; oft machen sie das Gehen und Stehen für die Betroffenen zur Qual. Manchmal fühlt sich auch der Patient vom Arzt nicht genügend ernst genommen. Natürlich gibt es schwierige und langwierige Fälle, aber bei den meisten Betroffenen ist die Behandlung erfolgreich, wenn man sich Mühe gibt und nach den genauen Ursachen forscht.

Bei den Fersenschmerzen unterscheidet zwischen Schmerzen, die von der Fußsohle ausgehen, und solchen, die von der Hinterseite der Ferse kommen.

Für den Fersenschmerz kommen folgende Ursachen in Frage:

  1. Lokale Ursachen
    1. Von der Fußsohle ausgehend:
      1. Vorderer (ventraler) Fersensporn
      2. Reizzustand der Sehnenplatte (Plantarponeurose)
      3. Fußdeformitäten
      4. Blockierungen
      5. Ermüdungsbruch des Fersenbeins
      6. Verletzungsfolgen
      7. Zysten
      8. Tumoren
      9. Hautveränderungen
    2. Von der Fersenhinterseite ausgehend:
      1. Achillessehnenriß (total oder teilweise)
      2. Entzündungen und Reizzustände der Achillessehne und ihres Gleitgewebes
      3. Haglundferse
      4. Schleimbeutelentzündungen (Bursitis subachillea und Bursitis subcutanea)
      5. Wachstumsstörung am Knochenkern der Fersenkuppe (Apophysitis calcanei)
  2. Fernwirkungen und Allgemeinerkrankungen
    1. Blockierungen der Wirbelsäule und des Kreuzbein-Darmbein-Gelenks
    2. Wirbelsäulenerkrankungen (besonders Bechterewsche Erkrankung)
    3. Achsenfehlstellungen (X-Stellung und vor allem O-Stellung)
    4. Stoffwechselerkrankungen (Gicht, Diabetes)
    5. Rheumatismus
    6. Infektionskrankheiten
    7. Durchblutungsstörungen
  3. Äußere Ursachen
    1. Fehlerhaftes Schuhwerk

1. Lokale Beschwerden, die von der Fußsohle ausgehen

Vorderer (ventraler) Fersensporn

Die Fersensporn-Krankheit tritt besonders im mittleren und höheren Lebensalter auf und führt zu starken Schmerzen an der Ferse mit Ausstrahlung in den Fuß und in den Unterschenkel beim Gehen und Stehen. Der vordere Teil des Fersenbeines ist innen neben der Mittellinie stark druckschmerzhaft (siehe Abbildung 1).


Abbildung 1: Schmerzpunkt beim vorderen Fersensporn

Dem entspricht in der seitlichen Röntgenaufnahme des Fersenbeines eine spornartige Ausziehung von etwa 4 bis 6 Millimetern Länge; sie wird als vorderer (plantarer) Fersensporn bezeichnet. Gelegentlich findet sich eine solche Ausziehung auch an der Hinterseite im Ansatzbereich der Achillessehne als hinterer (dorsaler) Fersensporn (siehe Abbildung 2).


Abbildung 2: Röntgenologische Veränderungen am Fersenbein, von der Seite gesehen

In der Literatur schwanken die Angaben über die Häufigkeit erheblich und liegen zwischen 50 und 88 Prozent, wobei die Häufigkeit mit dem Lebensalter deutlich zunimmt. Auch bezüglich der Geschlechtsverteilung schwanken die Angaben; das weibliche Geschlechts scheint stärker betroffen zu sein. Im höheren Lebensalter hat also fast jeder eine solche Ausziehung. Da nur wenige Leute Beschwerden haben, muß noch etwas hinzu kommen.

Was kann das sein?

In Frage kommen:

Durch das Einsinken des Fußgewölbes entsteht ein vermehrter Zug an der Plantaraponeurose (Sehnenplatte), die am Fersenbein ansetzt; deshalb neigt sich der ursprünglich aufwärts gerichtete Sporn gegen die Fußsohle und erzeugt hier einen Reizzustand.

Die Behandlung hat sich deshalb nicht gegen den Fersensporn selbst, sondern gegen den Reizzustand zu richten. Die schmerzende Stelle wird durch Einlagen mit Weichbettung der Ferse an der Schmerzstelle entlastet, wobei gleichzeitig die Fußdeformität mitkorrigiert wird. Von der Industrie werden fertige Fersenkissen angeboten, welche ebenfalls der Weichbettung der Ferse dienen. Am Schuh sorgt ein Pufferabsatz für weitere Entlastung. Feuchtwarme Wickel wirken schmerzlindernd, bei starken Entzündungserscheinungen helfen Eispackungen. Nächtliche Verbände mit Beinwell-Wurzel-Extrakt, messerrückendick aufgetragen, wirken ebenfalls entzündungshemmend.

Die Behandlung kann man unterstützen durch naturheitliche, innere Anwendung von Calcium fluoratum D 6, 3 mal täglich 1 Tablette, Hekla lava D 6, 3 mal täglich 5 Globuli, Stilingia silvatica, 3 mal täglich 5 Globuli, oder Strontium Carbonicum D 12, 2 mal täglich 5 Tropfen.

In der Regel führen diese Maßnahmen zum Erfolg. Ist das nicht der Fall, müssen andere Ursachen ausgeschlossen werden (siehe Liste der Ursachen). Die Lösung von Blockierungen der Lendenwirbelsäule und des Kreuzbein-Darmbein-Gelenks sowie der Fußwurzel können manchmal Wunder bewirken. Weitere Schmerzen an der Fußsohle, die vom Knochen ausgehen, sind durch Röntgen- und Laboruntersuchungen auszuschließen.

Weitere Ursachen für Fersenschmerzen

Besonders beachten sollte man, daß die Bechterewsche Erkrankung ebenfalls sehr starke Fersenschmerzen hervorrufen kann. Auch Hautveränderungen, wie zum Beispiel Schwielen oder Warzen, sollten als Ursache nicht übersehen werden.

2. Schmerzen an der Hinterseite der Ferse

Achillessehnenriß

Der Achillessehnenriß ist ein akutes Ereignis und nicht Gegenstand dieses Beitrages, da er in der Regel sofort operiert wird. Teilrisse der Achillessehne (siehe Abbildung 3) werden durch Ultraschall-Untersuchung aufgedeckt. Sie entsprechen in ihren Symptomen Reizzuständen und werden ebenso behandelt.

Reizzustände der Achillessehne und ihres Gleitgewebes

Beschwerden der Achillessehne (siehe Abbildung 3) treten oft nach längerer Trainingspause oder durch ungewohnte sportliche Betätigung, vor allem Laufen und Springen, auf. Es kommt dann zu Schmerzen beim Sport oder sogar schon beim normalen Gehen. Dann ist entweder die ganze Achillessehne durch einen Reizzustand des Gleitgewebes druckschmerzhaft, oder es bestehen stark schmerzhafte kolbige Auftreibungen der Achillessehne selbst, vorwiegend im mittleren Drittel.

Neben anderen Faktoren ist die Ursache der Beschwerden ein Überlastungsschaden, der oft durch unzweckmäßiges Schuhwerk entstanden ist. Vor allem asymmetrische Belastungen durch Störung des Muskelgleichgewichtes, Fußfehlhaltungen, Bandschwächen im Bereich der Sprunggelenke und Durchblutungsstörungen sind Auslöser. Innere Ursachen, wie zum Beispiel chronische Infekte, müssen ausgeschlossen werden. Blockierungen der Lendenwirbelsäule und Störungen des Kreuzbein-Darmbein-Gelenks sowie Blockierungen am Fuß können durch Fernwirkung direkt oder über eine Störung des Muskelgleichgewichtes zu Beschwerden führen.

Die lokale Behandlung erfolgt ebenfalls durch Eisanwendung und nächtliche Verbände mit Beinwell-Wurzel-Extrakt. Zusätzlich empfehlen sich zur inneren Anwendung Arnica D 4, 3 mal täglich 5 Globuli, und Byronia D 4, 3 mal täglich 5 Globuli.

Noch wichtiger ist aber das Aufspüren der Ursachen und deren Beseitigung.

Bei Läufern ist das Schuhwerk oft ungeeignet, weil es zu alt ist und seine Dämpfungseigenschaften verloren hat. Die Betrachtung der Schuhsohlen alter Sport- und Alltagsschuhe gibt Aufschluß über den persönlichen Laufstil. Schuhsohlen mit verstärkt abgelaufenem Außenrand zeigen eine O-Stellung des Fußes im Fußgelenk an (Übersupinierer). Ist der Innenrand verstärkt abgelaufen, wird eine X-Stellung eingenommen (Überpronierer). Besonders die O-Stellung neigt zu Achillessehnenreizungen; deshalb sind hier Schuhe mit guter Supinationsführung erforderlich, eventuell auch eine Erhöhung des Schuh-Außenrandes.

Der Vorderfußlauf, bei dem zunächst mit dem Vorderfuß aufgesetzt wird, und der Fersenlauf, bei dem man zunächst mit der Ferse aufsetzt, haben keine schädlichen Auswirkungen.

Medizinisch schlecht ist der Mittelfußlauf, bei dem der ganze Fuß plump auf den Boden klatscht. Hier wird der ganze Körper belastet, weil keinerlei Dämpfung über die Muskulatur erfolgt. Gerade schlechte Läufer und Einsteiger haben Schwierigkeiten mit der Koordination und neigen oft zu diesem Laufstil.

Alle diese Faktoren müssen beim Schuhkauf berücksichtigt werden, und hier hilft nur eine wirklich fachgerechte Beratung in einem guten Sportgeschäft. Es gibt vorzügliche Laufschuhe für alle Möglichkeiten, leider ist es nicht immer einfach, sie zu finden. Fehleinkäufe sind deshalb nicht selten.

Anfänglich läßt sich eine Sportpause für Laufen und Springen nicht umgehen. Beim Alltagsschuhwerk entlastet eine Absatzerhöhung die Achillessehne.

Haglundferse

Diese Erkrankung betrifft vor allem junge Frauen. Sie klagen über Schmerzen in der Ferse beim Gehen in geschlossenen Schuhen. Da die Beschwerden vor allem in der kalten Jahreszeit auftreten, wenn festere Schuhe getragen werden, spricht man auch von der Winterferse.

Das Fersenbein ist verbreitert, manchmal springt die Oberkante verstärkt vor. Dort besteht auch eine Rötung und Schwellung, die auf die Knöchel-Fersengruben übergreifen kann und bei Fingerdruck schmerzt.

In der Röntgenaufnahme ist die hintere Oberkante des Fersenbeines kantig (siehe Abbildung 2).

Dies reicht als Krankheitsursache aber nicht aus. Nach unserem heutigen Verständnis sind mehrere Faktoren notwendig. Durch eine gleichzeitig bestehende Hohlfußbildung steht das Fersenbein steiler, und die Hinterkante wird nach außen gedrückt. Kommt jetzt noch eine harte, nach innen drückende Fersenkappe hinzu, entsteht eine Haglundferse.

Die lokale Behandlung besteht auch hier in den bereits mehrfach angegebenen Maßnahmen. Innerlich empfiehlt sich Ruta D 3, 3 mal täglich 5 Globuli, sowie Bellis perennis D 3, 3 mal täglich 5 Globuli.

Die mechanischen Ursachen müssen natürlich durch Änderung der Schuhe ausgeschaltet werden. Also Weichmachen der Fersenkappe, Weichbettung durch Filz oder Schaumgummi sowie Hebung der Ferse durch Fersenpolster. Noch besser sind neue Schuhe.

Nur bei Versagen der konservativen Behandlung ist überhaupt eine Operation in Erwägung zu ziehen. Über Art und Radikalität des Eingriffes besteht Uneinigkeit, wie auch über die Erfolgsquote. Dazu kommt, daß oft auf beiden Seiten die gleichen röntgenologischen Befunde bestehen, aber nur auf einer Seite Schmerzen. Deshalb sollte eine Operationsentscheidung nur in wirklich verzweifelten Fällen getroffen werden und nach Einholung einer weiteren Meinung.

Hinterer (dorsaler) Fersensporn

Der hintere Fersensporn ist röntgenologisch am Achillessehnenansatz erkennbar. An dieser Stelle besteht starker Druckschmerz (siehe Abbildung 2).

Die Behandlung entspricht der des vorderen Fersensporns, nur muß hier die Weichbettung natürlich an der Fersenkappe erfolgen.

Schleimbeutelentzündung vor der Achillessehne (Bursitis subachillea)

Besteht neben den Knöchel-Fersengruben eine Schwellung und befindet sich der Schmerz hinter dem Achillessehnenansatz, handelt es sich um eine Schleimbeutelentzündung (siehe Abbildung 3). Sie kann lokal durch die bereits beschriebenen, entzündungshemmenden Maßnahmen behandelt werden. Zusätzlich hilft Kalium chloratum D 6, 3 mal täglich 5 Globuli.


Abbildung 3: Schleimbeutel und Achillessehne

Oberflächliche Schleimbeutelentzündung über der Fersenkuppe (Bursitis subcutanea achillea)

Hier gibt es unterhalb der Achillessehne über der Fersenkuppe eine schmerzende Rötung und Schwellung (siehe Abbildung 3).

Die Beschwerden treten sehr oft nach dem Tragen neuer Schuhe mit harter Fersenkappe auf. Meist genügt das Weichmachen der Kappe und Kühlung.

Zwischen dem 8. und 13. Lebensjahr treten vorwiegend bei sportlichen Knaben Schmerzen an der Fersenkuppe auf. Gelegentlich wird ein äußerer Anlaß angegeben. Die Fersenkuppe ist druckschmerzhaft. Röntgenologisch finden sich Veränderungen des Knochenkernes an der Fersenkuppe (siehe Abbildung 4).


Abbildung 4: Wachstumsstörungen am Fersenbein

Die Erkrankung wird heute als eine gestörte Knochenkernbildung in Folge einer lokalen Durchblutungsstörung aufgefaßt (aseptische Knochennekrose).

Zur Behandlung genügt die Absatzerhöhung durch ein Fersenkissen und eine Sportpause für Laufen und Springen. Nur in Ausnahmefällen ist Ruhigstellung erforderlich.

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