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Hand und Handgelenk

Von unserem Redaktionsmitglied Michael Verderber, Stuttgart

Die Hand besteht im Normalfall aus 27 Knochen, die man in drei Bereiche einteilt, nämlich die Handwurzelknochen im Bereich des Handgelenks (zum Unterarm hin), die Mittelhandknochen, von denen es für jeden Finger einen gibt, und die Fingerglieder, von denen jeder Finger drei hat, bis auf den Daumen, der nur zwei Glieder hat. Der Daumen spielt auch insofern eine Sonderrolle, als sein Mittelhandknochen besonders beweglich ist.


Skizze: Knochen der Hand, und insbesondere der Handwurzel (Bildnachweis). Es bedeuten:
1 – Speiche (Unterarm), 2 – Elle (Unterarm), 3 – Mittelhandknochen I bis V, 4 – Grundglieder I bis V, 5 – Mittelglieder II bis V, 6 – Endglieder I bis V,
A – Kahnbein, B – Mondbein, C – Dreiecksbein, D – Erbsenbein, E – Großes Vieleckbein, F – Kleines Vieleckbein, G – Kopfbein, H – Hakenbein.

Insgesamt gibt es folgende Knochen, von den jeweils die deutschen und lateinischen Bezeichnungen angegeben sind, wobei mehrere Bezeichnungen möglich sind:

Handwurzel
Körpernahe Reihe der Handwurzelknochen
Kahnbein (der Hand), Os scaphoideum
Mondbein, Os lunatum
Dreiecksbein, Os triquetrum
Erbsenbein, Os pisiforme
Körperferne Reihe der Handwurzelknochen
Großes Vieleckbein, Trapezbein, Os trapezium, Os multangulum majus
Kleines Vieleckbein, Trapezoidbein, Os trapezoideum, Os multangulum minus
Kopfbein, Os capitatum
Hakenbein, Os hamatum
Manche Menschen haben noch zusätzliche Handwurzelknochen (Ossa accessoria); es sind (mindestens) 19 dieser möglichen Knochen in der medizinischen Literatur beschrieben.
Mittelhand

Die fünf Mittelhandknochen (Ossa metacarpalia) haben keine getrennten Bezeichnungen, sondern sind von 1 bis 5, beginnend beim Daumen durchnumeriert, nämlich:

Mittelhandknochen des Daumens, Os metacarpale I
Mittelhandknochen des Zeigefingers, Os metacarpale II
Mittelhandknochen des Mittelfingers, Os metacarpale III
Mittelhandknochen des Ringfingers, Os metacarpale IV
Mittelhandknochen des Kleinfingers, Os metacarpale V
Finger

Auch die vierzehn Fingerglieder (Phalanges, Ossa digiti) haben keine getrennten Bezeichnungen. Sie werden wie die Mittelhandknochen – beginnend beim Daumen – von 1 bis 5 durchnumeriert und werden jeweils als Grundglied (angrenzend an den jeweiligen Mittelhandknochen), Mittelglied und Endglied (über dem sich die Fingerkuppe und der Fingernagel befinden) bezeichnet, wobei beim Daumen das Mittelglied entfällt, also:

Daumen:
Daumengrundglied, Phalanx proximalis I
Daumenendglied, Phalanx distalis I
Zeigefinger:
Zeigefingergrundglied, Phalanx proximalis II
Zeigefingermittelglied, Phalanx medialis II
Zeigefingerendglied, Phalanx distalis II
Mittelfinger:
Mittelfingergrundglied, Phalanx proximalis III
Mittelfingermittelglied, Phalanx medialis III
Mittelfingerendglied, Phalanx distalis III
Ringfinger:
Ringfingergrundglied, Phalanx proximalis IV
Ringfingermittelglied, Phalanx medialis IV
Ringfingerendglied, Phalanx distalis IV
Kleinfinger:
Kleinfingergrundglied, Phalanx proximalis V
Kleinfingermittelglied, Phalanx medialis V
Kleinfingerendglied, Phalanx distalis V

Für die acht Handwurzelknochen gibt es einen Merkspruch:

Ein Schifflein fuhr im Mondenschein ums Dreieck und ums Erbsenbein.

Vieleck groß und Vieleck klein, der Kopf, der muß beim Haken sein.

Der erste Satz zählt die vier körpernahen Handwurzelknochen auf, der zweite die vier körperfernen. Man beginnt in jeder Reihe zunächst auf der Daumenseite und arbeitet sich dann bis zum Kleinfinger durch. Dabei steht

Die Buchstaben A bis H bezeichnen dabei die Position der Knochen in der obigen Skizze.

Man beachte, daß es auch noch beim Fuß ein Kahnbein gibt; allerdings sind die Bezeichnungen nur im Deutschen gleich, im Lateinischen sind die Bezeichnungen unterschiedlich. Dafür sind die lateinischen Bezeichnungen der entsprechenden Finger- und Zehenglieder teilweise gleich.

Da alle Handknochen gegeneinander und gegenüber den Unterarmknochen beweglich sind, bestehen zwischen ihnen auch eine Vielzahl von Gelenken und Blockierungsmöglichkeiten. Die Gelenke der Hand sind:

Handgelenk, Articulatio manus, Articulatio carpi

Der Begriff des Handgelenks an sich ist irreführend, da es sich nicht nur um ein einziges Gelenk, sondern um mehrere Gelenke im Bereich zwischen den Unterarmknochen (Speiche und Elle) und den Mittelhandknochen handelt. Es gibt auch noch ein Gelenk zwischen Elle und Speiche im Bereich des Handgelenks, nämlich das Körperferne Speichen-Ellen-Gelenk (Articulatio radio-ulnaris distalis), das aber nicht zum Handgelenk zählt.

Im einzelnen umfaßt das Handgelenk die folgenden Gelenke und Gelenkgruppen:

Körpernahes Handgelenk, Speichen-Handwurzel-Gelenk, Articulatio radiocarpalis, Articulatio antebrachiocarpea
Dieses Gelenk besteht zwischen der Speiche und der Elle auf der einen Seite und den körpernahen Handwurzelknochen Kahnbein, Mondbein und Dreiecksbein auf der anderen Seite. Damit läßt sich die Hand strecken und beugen, aber auch zur Seite neigen.
Handmittelgelenk, Articulatio mediocarpalis, Articulatio mediocarpea
Dieses Gelenk trennt die Handwurzelknochen, die sich in der körpernahen Reihe (bestehend aus Kahnbein, Mondbein, Dreiecksbein und Erbsenbein – dieses ist jedoch nicht am Gelenk beteiligt) und der körperfernen Reihe (bestehend aus Großem und Kleinem Vieleckbein, Kopfbein und Hakenbein) zu beiden Seiten des Gelenks gegenüberliegen. Die Gelenkfläche verläuft S-förmig, so daß man von einem Scharniergelenk sprechen kann, und man kann damit die Hand zwar noch weiter beugen, aber nicht zur Seite neigen.
Handwurzelgelenke, Articulationes intercarpales
Diese Gelenke trennen die Handwurzelknochen innerhalb einer Reihe. Sie liegen also in der köpernahen Reihe zwischen Kahnbein und Mondbein sowie zwischen Mondbein und Dreiecksbein. Das Erbsenbein hingegen ist nahezu unbeweglich mit dem Dreiecksbein verbunden. In der körperfernen Reihe liegen die Handwurzelgelenke zwischen Großem und Kleinem Vieleckbein, zwischen Kleinem Vieleckbein und Kopfbein sowie zwischen Kopfbein und Hakenbein.
Handwurzel-Mittelhandknochen-Gelenke, Articulationes carpometacarpales

Diese Gelenke trennen die körperferne Reihe der Handwurzelknochen (also Großes und Kleines Vieleckbein, Kopfbein und Hakenbein) von den Mittelhandknochen. Sie sind wie die Mittelhandknochen beginnend beim Daumen mit den römischen Ziffern I bis V durchnumeriert.

Das Gelenk für den Mittelhandknochen des Daumens hat einen eigenen Namen, nämlich Daumensattelgelenk (Articulatio carpometacarpalis pollicis). Es verleiht dem Mittelhandknochen des Daumens seine große Beweglichkeit und trennt ihn von dem Großen Vieleckbein als gegenüberliegenden Handwurzelknochen.

Die Gelenke zwischen den übrigen Mittelhandknochen (also ohne denjenigen des Daumens) und der körperfernen Reihe der Handwurzelknochen (also Großem und Kleinem Vieleckbein, Kopfbein und Hakenbein) liegen in einer gemeinsamen Gelenkkapsel, so daß man vom Körperfernen Handgelenk reden kann, obwohl es sich um mehrere Gelenke handelt.

Mittelhandknochen-Gelenke, Articulationes intermetacarpales
Dort, wo die Mittelhandknochen II bis V (also ohne denjenigen des Daumens, sondern nur diejenigen für Zeigefinger bis Ringfinger) auf die Handwurzel an den soeben beschriebenen Handwurzel-Mittelhandknochen-Gelenken treffen, berühren sie sich auch gegenseitig. Es gibt daher auch Gelenke zwischen den Mittelhandknochen, eigentlich eher Gelenkspalten, so daß sich die jeweils benachbarten Mittelhandknochen gegeneinander bewegen können. Bei vier Mittelhandknochen sind das drei solcher Gelenke.
Grundgelenke der Finger (einschließlich des Daumens), Articulationes metacarpophalangiales
Diese Gelenke verbinden die Grundglieder der einzelnen Finger mit den jeweiligen Mittelhandknochen. Es handelt sich um reine Scharniergelenke.
Mittelgelenke der Finger (ohne Daumen), Articulationes interphalangiales proximales
Auch hierbei handelt es sich um Scharniergelenke, die das Mittelglied eines Fingers mit dem jeweiligen Grundglied verbinden. Da der Daumen kein Mittelglied hat, gibt es dort auch kein Mittelgelenk.
Endgelenke der Finger (einschließlich des Daumens), Articulationes interphalangiales distales
Beim Daumen verbindet das Daumenendgelenk das Grundglied des Daumens mit dem Endglied (weil es ja kein Mittelglied gibt). Bei den übrigen Fingern verbindet dieses Scharniergelenk das Mittelglied mit dem jeweiligen Endglied.

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